Erfahrung Spa Mitarbeiter

In unserer Interviewreihe „Von Crew für Crew“ haben wir uns diese Woche mit Claudia Saballos Rodriguez unterhalten. Von einzigartigen kulinarischen Erlebnissen mit dem echten Traumschiff bis zum Heiratsantrag… Claudia hat der Seefahrt viel zu verdanken. Lest hier, warum auch auf Traumschiffen nicht alles Gold ist was glänzt. 

 

 Name:Claudia Saballos Rodriguez  

Alter: 30 Jahre  

Beruf:staatlich geprüfte Kosmetikerin, Qualitätsmanager, SPA Manager  

Wieviel Jahre zur See gefahren: 3,5 Jahre  

Reedereien: TUI Cruises (Mein Schiff 1), Reederei Peter Deilmann (MS Deutschland) 

Bild: Zur Verfügung gestellt von Claudia Saballos Rodriguez

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Wie würdest du deinen Job an Bord in knappen Worten zusammenfassen?

 

Abwechslungsreicher, anspruchsvoller Vollzeit(+++) Job mit täglich neuen Herausforderungen und einer unverwechselbaren Aussicht. 

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

Antwortet

 

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Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß? 

 

Das ich in kurzer Zeit aus eigener Kraft anderen Menschen helfen kann.

Mit dem, was ich mache, berührt man nicht nur den Körper, sondern auch die Seele und das ist wirklich einzigartig.  

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Würdest du sagen, dass dein Aufgabenfeld und der Arbeitsalltag an Bord den Voraussetzungen an Land entspricht? 

Ganz klar nein. Meinen Job vom Schiff gibt es in der Art an Land nicht. An Bord muss man geistig und körperlich zu jeder Zeit auf der Höhe sein. Lange Ausfallzeiten wegen Krankheit sind nicht möglich. Ich bin durch meine sehr anspruchsvollen Jobs im Vorfeld als SPA Managerin und Geschäftsführerin lange Tage und 7 Tage Wochen gewöhnt gewesen und brachte durch die Berufserfahrung eine gewisse Arbeitseinstellung mit. Natürlich ist die Aussicht, fremde Länder kennen zu lernen, sehr verlockend. Nichts desto trotz sollte man das Arbeitspensum nicht unterschätzen. Es ist eben eine ganz eigene Welt. Entweder man liebt es – oder es wird ein Horrortrip. Ich bin jetzt selbstständig mit meinem eigenen Geschäft und für mich war es eine sehr große Umstellung, zurück an Land zu sein. Auf dem Schiff lernt man im großen Gesamten zu denken. Wenn man an Land kommt, muss man alles wieder auf das normale Level herunterschrauben. Es ist ein Unterschied, ob ich einer anderen Abteilung Arbeiten abgebe oder diese selbst ausführen muss. Da geht es bspw. um Dinge wie: soll ich 3 Paletten Toilettenpapier ordern oder bei Rossmann eine Packung für meine Kundentoilette kaufen. 

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Sicherlich hast du in der harten Arbeit auf dem Schiff etwas für dich mitgenommen und konntest das auf deine Selbstständigkeit übertragen, oder? 

Klar habe ich Erfahrung mitgenommen. Und gerade der Input durch das Reisen hat in mir eine gewisse Zufriedenheit und Selbstsicherheit ausgelöst. Es ist schön, wenn man etwas Interessantes über sein Leben erzählen kann. Und auch die verschiedenen Situationen mit Gästen schulen ein fürs Leben. Von meinen Kollegen konnte ich mir noch die ein oder andere Technik abschauen und bin definitiv menschlich an den Aufgaben gewachsen.  

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Was sind die ersten drei Dinge, die du tust, wenn du deinen Arbeitstag beginnst?

 

Nach dem Frischmachen einmal Luft auf den Außendeck schnuppern, überprüfen ob ich meine Safetycard eingesteckt habe

und mich erkundigen wann es „Phili-Brötchen gibt.  

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Oh ja, an die erinnern wir uns auch nur zu gut. Erklär unseren Lesern doch mal, was es mit den Phillibrötchen auf sich hat und warum die so besonders sind.

Jaaaa…. die „Phili-Brötchen“! Keiner (außer den Philippinos) wusste, wie sie hergestellt werden, aber jeder wusste, wie lecker die sind. Somit sprach es sich wundersamer Weise wie ein Lauffeuer herum, wann diese Delikatesse in der Crewmess vorzufinden war. Die Besonderheit lag darin, dass zumindest zu meiner Zeit nur 3 große Bleche gebacken wurden und das bei 850 Leuten Crew natürlich nur 1 Tropfen auf den heißen Stein ausmachte. Und obwohl es nur ein Hefeteig mit Zimt und Zucker war – heiß aus dem Ofen, der Duft im Gang – … alles sprach dafür, reinzubeißen. 
 

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Spielen wir: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“. Ohne welche drei Gegenstände würdest du nie aufs Schiff gehen? 

 

 

Fotos von Freunden und Familie, deutsche Lakritze, eigene Bettwäsche. 

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Wir reisen auch immer mit eigener Bettwäsche an, das gibt der Kabine einfach den häuslichen Touch.

Wovon nimmst Du grundsätzlich zu viel mit? 

 

 

Von meiner Lieblingsseife.  

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Was ist das Beste an Bord eines Kreuzfahrtschiffes? 

 

 

Die vielen unterschiedlichen Kulturen, die aufeinander treffen und dass man immer jemanden findet, mit dem man ein Späßchen machen kann. 

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Fällt es dir an Land auch so leicht, Kontakte zu knüpfen? 

 

 

Ja schon.  

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Claudia Saballos Rodriguez

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Und was ist das Schlimmste? 

 

Menschen die einem etwas neiden oder oberflächlich sind.

Die können einem das Leben sehr schwer machen. Ich habe gelernt: meistens ist es nicht so,wie es im ersten Moment scheint.

Ausnahmen bestätigen die Regel.  

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Was war dein bestes Erlebnis während der Schiffszeit? 

 

Es gibt unendlich beste Erlebnisse – ob es die wahnsinnigen Aussichten waren oder die Exkursionen, vom Bergdorf bis zu den Metropolen. Die Vielseitigkeit der Länder ist unbeschreiblich. Emotional das schönste Erlebnis war definitiv der Heiratsantrag meines Mannes.  

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Achtung, Seefahrerromantik 🙂

Was hat dein Mann auf dem Schiff gearbeitet? 

 

 

Er war Commis de Rang. 

WAS MACHT DIR AN DEINEM JOB AM MEISTEN SPASS?

Claudia Saballos Rodriguez

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Wie seid ihr euch an Bord näher gekommen? 

Er kam neu auf die Mein Schiff 1 und ich hatte mich bereits mit den Latinas angefreundet. Dann hat Jose als DJ in der Crewbar aufgelegt und icwar tanzen. Wir wurden uns vorgestellt. Später trafen wir uns auch immer mal so. Naja, nach etwa 6 Monaten waren wir dann ein Paar. Und inzwischen sind wir 5 Jahre verheiratet und haben einen 2,5 Jahre alten Sohn. 

WAS MACHT DIR AN DEINEM JOB AM MEISTEN SPASS?

Claudia Saballos Rodriguez

Antwortet

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Du hast von deinem eigenen Geschäft erzählt. Was machst du in deinem Laden? 

 

Ich gehe meiner Leidenschaft nach. Gelernt habe ich früher einmal „Naturkosmetikerin“ und schon als Kind war ich gern kreativ, habe mit meinen Händen gearbeitet und war im Freien unterwegs. Der Wald, die Wiesen und das Wasser haben es mir angetan und alles, was man daraus herstellen kann. In meinem Naturkosmetik – Fachgeschäft kann ich alles verbinden. Ich vertreibe Produkte regionaler Firmen und vor allem Dr. Hauschka-Produkte und habe mich auf Nischen spezialisiert. Außerdem biete ich betriebliche Gesundheitsvorsorge an und betreibe drei im Laden integrierte Behandlungskabinen. Da gibt es von Massagen, Pediküre, Make-up, kosmetischen Anwendungen und Kursen so ziemlich alles. Wir machen unsere Tee-Mischungen und Bäder selbst. Des weiteren habe ich ein zweites Standbein als „Freie Rednerin“ auf Hochzeiten. 
 

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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 Hier könnt Ihr mal auf Claudias Website schauen.

Hast du schon einmal richtig starken Wellengang erlebt? Der SPA-Bereich ist ja meistens ganz oben auf dem Schiff, wo der Seegang am stärksten zu spüren ist. 

Ja, nicht nur ein Mal. Ich vertrage das allerdings sehr gut und war somit oft die letzte „Lebende“ im SPA. Einmal auf der „Mein Schiff 1“ war ich gerade im Hamam im Saunabereich tätig. Ich konnte das Meer also nicht sehen, genau so wenig wie das, was in den Gängen und an der Rezeption los war. 
Meinem Gast wurde es übel, daher brach ich die Behandlung ab. Als ich die Tür öffnete, hingen schon Teile der Deckenverkleidung herunter und meine 50 Liter Zinntonne rollte durch den Gang. Dann verabschiedete ich den Gast. Auf Deck 11 war niemand mehr außer Sabine, die auf den Boden herum kroch und mich darum anbettelte gehen zu können. Sie war damit beauftragt, alles fest zu vertäuen und zu sichern. Ich sagte zu ihr, dass sie gehen kann. Die hatten mich im Saunabereich total vergessen. Also lief ich erstmal zur SPA Suite, um mir die Lage anzuschauen. Ich fand es beeindruckend und faszinierend, dass das Wasser bis an meine Scheiben hochspritzte. Dann rief ich bei Dimitris, dem Kapitän an. Der lachte am Telefon und fragte, ob alles seefest ist. Ich machte mich daran, alles festzuzurren und das Büro zu sichern. Danach ging ich zur Brücke und wir haben uns das Schauspiel zusammen angeschaut. Drei Tage waren die Außendecks gesperrt und das SPA war geschlossen. Alle liefen im Crewbereich in Jogginghosen herum und die Staffbar war gut besucht. Das hatte was von Ferienlager und war richtig cool für Leute wie mich, denen die Wellen nichts anhaben können. Aber die anderen Kollegen haben mir sehr leid getan. 
 

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Du hast ja auch auf DEM Traumschiff gearbeitet, unsere Leser fragen sich bestimmt…

wie war das? Worin unterscheiden sich die Reedereien? 

Ach naja, DAS Traumschiff – ich betrachte das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Da ich ja von TUI kam, war ich sehr viel Struktur gewöhnt. Bei der MS Deutschland gab es viele Menschen in gehobenen Positionen, die meiner Meinung nach nicht auf Grund ihrer herausragenden Leistungen dort saßen. Zudem wies das Schiff etliche Mängel auf. Nichts desto trotz hatte ich ein tolles SPA Team und es gab einen super Zusammenhalt zwischen den Kollegen, da ja viel weniger Crew an Bord war. Auch das Flair war besonders (etwas nostalgisch) – genauso wie die Gäste. Ich persönlich empfand allerdings das Leistungsprinzip bei TUI besser, weil man mit guter Leistung gute Aufstiegschancen hatte. Das war bei der Deutschland nicht so. Und in dem Preissegment, in dem sich die Deutschland bewegt hat, bekam man bei der MS Bremen, MS Hamburg oder der Europa & Europa II mehr geboten.  

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Claudia Saballos Rodriguez

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Dein Lieblingsplatz an Bord? Warum?

 

Zu 100 Prozent das Außendeck – gut für Crewparties oder zum knutschen,

zum Musik machen oder zum abhängen, oder, oder, oder!  

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Claudia Saballos Rodriguez

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Welchen Ratschlag würdest du dir heute selbst zu Beginn deiner Schiffslaufbahn geben? 

 

 

Früher anheuern. Ich hätte nämlich gern mehr Zeit an Bord verbracht.  

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Claudia Saballos Rodriguez

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Du warst ja 23 als du angeheuert hast, was ist deiner Meinung nach das richtige Alter? Würdest du jemandem, der frisch aus der Lehre kommt empfehlen, direkt aufs Schiff zu gehen oder sollte man erstmal landbasiert arbeiten und mit etwas mehr Erfahrung anheuern? 

Schwierige Frage. Es gibt Menschen die haben mit 18 Jahren schon eine gewisse Reife und andere mit 30 Jahren noch keine. Ich denke, wenn man wissbegierig ist und eine gute Arbeitseinstellung hat, sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lässt und psychisch stabil ist, spricht nichts dagegen. 
  

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Claudia Saballos Rodriguez

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Welches Tablet / Smartphone hast du? 

 

 

Samsung Galaxy S7   

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Claudia Saballos Rodriguez

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Was ist deine derzeitige Lieblings-App? 

 

 

Amazon. 

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Claudia Saballos Rodriguez

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Wo hast du das beste Lunch gehabt und was gab es?

Erzähl uns von dem Moment, was hast du erlebt, wie bist du dazu gekommen? 

Das beste Lunch – da kann ich mich auch sehr schwer entscheiden. Als ich mit der „Mein Schiff“ unterwegs war, würde ich mich eindeutig für Ajaccio (Korsika) entscheiden. Da gab es ziemlich in der Nähe des Hafens ein kleines Spezialitätengeschäft, welches gereifte, abgehangene, regionale Salami und Schinken, gute Weine und regionalen, frischen Käse verkauft hat. Die drei kleinen Tische in einer Gasse fallen fast nicht auf. Dort hatten sie zum Mittag immer drei Speisen, ganz rustikal zubereitet und super frisch. Ich habe immer einen Salat mit dem abgehangenen Schinken und Käse mit selbstgebackenen Brotcroutons gegessen. An Frische, Fruchtigkeit und Herzhaftigkeit war das nicht zu übertreffen. Man sollte allerdings ein paar Taler mehr einplanen. Mit der MS Deutschland waren wir auf Monemvasia (Griechenland). Landschaftlich kann man das mit der Toskana vergleichen. Üppige Zitronen- und Orangenhaine, wunderschöne bergige Region. Da sind wir hin getendert und alles in dem Gebiet schreit förmlich danach, in einem kleinen Restaurant im Hafen Essen zu gehen. Wir waren dort in der Nebensaison. Der Kellner war wahnsinnig freundlich und erklärte uns, dass es nur eine kleine Auswahl von der Karte gäbe. Ich schwöre bei Gott, so gut habe ich noch nie gegessen. Langustinos, griechischer Salat, eine kleine Auswahl regionaler Fische, aufgetafelt wie bei Tapas. Noch heute leide ich darunter, dass sich dieser Tag nicht wiederholen lässt. Die Zubereitung der Speisen, gepaart mit der Frische und dem ausgezeichneten Wein.

Es war der Wahnsinn. 

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Wow, also ich hab jetzt Hunger. Aber das sind genau die Momente, an denen auch wir am meisten hängen. Die Gastfreundlichkeit der Menschen, gepaart mit deren Küche. Immer wieder eine Überaschung!

Was ging dir durch den Kopf 24 Stunden vorm Abflug zu deinem ersten Schiffseinsatz? 
 

Hab ich alle Papiere? Worauf hab ich mich eingelassen? Werde ich das alles meistern? 
 
 

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Claudia Saballos Rodriguez

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Richte bitte deine letzten Worte an die Seefahrergeneration von Morgen… 

Ich kann jedem Abenteurer empfehlen, auf einem Schiff anzuheuern. Es ist eine Erfahrung, die das Leben verändert. Die Erinnerungen an diese Zeit können einem manches Mal über Trübsinn hinweghelfen und sind definitiv immer eine Geschichte wert. Schon allein dafür hat es sich gelohnt. 
 

Arbeiten auf See

Claudia Saballos Rodriguez

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Claudia, wir danken dir für Deine Zeit und den Einblick und wünschen dir viel Erfolg mit deiner Selbstständigkeit.

 

WIR HOFFEN, UNSER INTERVIEW MIT CLAUDIA HAT EUCH GEFALLEN UND IHR KONNTET WAS MITNEHMEN. WENN IHR FRAGEN ODER ANREGUNGEN HABT, ODER EUCH EINEN BESTIMMTEN INTERVIEWPARTNER WÜNSCHT, DANN MELDET EUCH EINFACH HIER BEI UNS.

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